Geschlechtstypische Männlichkeit - überwiegend ein Konstrukt

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung und Ziel des Artikels

2. Begriffsklärungen

3. Wenige statistisch-signifikante geschlechtstypische Eigenschaften

4. Abweichungen von den geschlechtstypischen Eigenschaften bei Queers - Queers als Vorkämpfer einer Befreiung von Männlichkeits- und Geschlechterstereotypen

5. Die Unabhängigkeit des sozialen (gender) vom körperlichen Geschlecht - Dekonstruktion von Männlichkeits-Stereotypen

6. Rekonstruktion von rational begründbaren, praxistauglichen Eigenschaftsgruppen

7. Zusammenfassung und Ausblick

Anmerkungen

Vgl. die Einbindung dieses Themas in eine allgemeine, umfassende Theorie und systematische Philosophie (der Wirklichkeit): Christlicher Glaube und christliche Ethik unter Einbeziehung postmoderner Relativität, Kapitel 2.4.4.2.1..

Dieser Artikel will einen Beitrag leisten zur aktuellen Diskussion um "Gender Mainstreaming", von den evangelikalen und politisch rechten Kritikern auch "Genderismus" genannt.

1. Einleitung und Ziel des Artikels

Als ich mir beim internationalen queeren Filmfestival "Verzaubert" im April 2008 in München den japanischen Lesbenfilm "Love my life" (mit immerhin auch einer nicht ganz unwichtigen schwulen Rolle) anschaute, war ich unter mehreren hundert Lesben einer von fünf männlichen Zuschauern (1). Ich behaupte, dass es dafür keine rationalen Gründe gibt. Ein rationaler Grund für die schwul-männliche Abwesenheit wären die angenehmen erotischen Gefühle, die die Betrachtung eines schönen Menschen des gleichen Geschlechts auslöst. Aber mit Sicherheit spielt bei vielen Besuchern des queeren Filmfestivals auch das Interesse an allgemeinen Fragen gesellschaftlicher Akzeptanz für Queers eine Rolle. So war der Film "Suddenly, last winter" (mit nicht überdurchschnittlich attraktiven Personen) über den schwierigen Kampf für queere Gleichberechtigung in Italien durchaus gut besucht.

Ich werde in diesem Artikel nachzuweisen versuchen, dass der fast durchgängige "Boykott" eines Lesbenfilms durch Schwule gut durch ein künstlich konstruiertes Selbstbild erklärt werden kann, das die eigene Identität und die eigenen Eigenschaften stark an das körperliche (hier: männliche) Geschlecht koppelt und sich damit vermeintlich im Gegensatz sieht zu Personen mit einem anderen (hier: weiblichen) körperlichen Geschlecht und zu deren Identität und Eigenschaften. Dies entspricht der traditionellen Sicht von Männlichkeit (und Weiblichkeit), und von ihr haben sich offensichtlich auch viele Schwule noch nicht gelöst. Ich möchte in diesem Aufsatz diese Sicht von Männlichkeit als irrational und künstlich konstruiert erweisen und damit dekonstruieren. In diesem Sinne hatte ich bei der vorbereitenden Redaktionssitzung gegen das Heftthema "Männlichkeit" gestimmt, weil ich meine, dass es kaum "männliche" Eigenschaften gibt, die signifikant mit dem männlichen Körper und damit auch mit schwulen Personen korrelieren.

Zur Durchführung einer genauen Argumentation sollen aber zunächst einmal die Begriffe und ihre Begriffsfelder geklärt werden. Sodann werde ich die wenigen wissenschaftlich nachgewiesenen Eigenschaften nennen, die mit einem bestimmten körperlichen Geschlecht korrelieren. Danach wird die empirische Beobachtung dargestellt, dass nun gerade Queers diejenigen sind, die diese schon sehr geringe Korrelation durchbrechen und in ihrer Bedeutung weiter eingrenzen. Damit sind dann in einem weiteren Schritt praktisch alle Männlichkeitsstereotypen dekonstruiert. Das hindert aber nicht daran, in einem nächsten Schritt über neue Eigenschaftsgruppen nachzudenken, die Menschen ähnlichen Verhaltens zusammenfassen, aber unabhängig von der Art des Körpers gebildet werden. Dies bliebe auch dann sinnvoll, wenn sich die queere emanzipatorische Sichtweise menschlicher Verhaltenseigenschaften überall - auch bei den Schwulen - vollständig durchgesetzt hat.

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2. Begriffsklärungen

"Männlichkeit" (und dementsprechend "Weiblichkeit") gibt es als körperliches Merkmal oder körperliches Geschlecht, als Sexus. Mit ihm eindeutig verbunden sind bei jedem Individuum, jedem Teil der Geschlechtsgruppe die geschlechtsspezifischen Eigenschaften. "Geschlechtsspezifisch sind (...) Funktionen (...) im Prozeß der biologischen Reproduktion, also (...), daß nur biologische Frauen menstruieren"(2). Es handelt sich hier also um die sogenannten primären Geschlechtsmerkmale, auch Geschlechtsorgane genannt. Hinzu kommen im Bereich des Körpers die sekundären Geschlechtsmerkmale, z.B. der Bart beim Mann oder der Busen und eine breitere Hüfte bei der Frau. Sie treten aber - anders als die primären, geschlechtsspezifischen Merkmale, die eindeutig vorhanden sind oder fehlen - graduell in unterschiedlicher Intensität auf, so dass es hier auch fließende Übergänge zum anderen körperlichen Geschlecht gibt (z.B.: männlicher Körper mit Busen, Frau mit Bartwuchs). Als "Mann" und "Frau" werden hier Personen bezeichnet, deren Körper die entsprechenden geschlechtsspezifischen Eigenschaften haben. Im Hinblick auf das körperliche Geschlecht, den Sexus, lassen sich fast alle Menschen klar in männlich und weiblich einteilen - je nach ihren Geschlechtsorganen.(3) Fast alle Menschen wollen auch einen Körper mit eindeutig geschlechtsspezifischen Eigenschaften, auch Transsexuelle, die ja den - eindeutigen - Gegenkörper zu ihrem Geburtskörper anstreben. Eine Ausnahme bilden Intersexuelle, die sich mit ihrem Körper identisch fühlen. Aber diese Minderheit stellt nicht die These des Artikels in Frage, dass es fast keine Korrelation zwischen einem - wie auch immer gearteten - Körper und bestimmten Verhaltenseigenschaften gibt.

"Männlichkeit" (und "Weiblichkeit") gibt es auch als soziales Geschlecht, als Gender, als Beschreibung bestimmter Verhaltensmuster. Diese werden auch tertiäre Geschlechtsmerkmale genannt. Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass in ganz unterschiedlichen Nationen zur gleichen Zeit und auch zu verschiedenen Zeiten den beiden Geschlechtern sehr viele gleiche Eigenschaften und Stereotype zugeschrieben werden: "Dabei ist das männliche Stereotyp gekennzeichnet durch Aktivität, Stärke und Fähigkeiten, Durchsetzungsfähigkeit und Leistungsstreben. Das weibliche Stereotyp enthält Eigenschaften von Emotionalität (wie z.B. freundlich, sanft und weinerlich) und von Soziabilität (einfühlsam, hilfsbereit, sozial umgangsfähig, anpassungsfähig), von Passivität und praktischer Intelligenz."(4) Die große Mehrheit der Befragten in 24 oder sogar 25 der befragten 25 Länder nannte übereinstimmend folgende Stereotypen für die Geschlechter: "männlich" heißt abenteuerlustig, aggressiv, dominant, robust, selbstherrlich, stark, unabhängig; "weiblich" heißt liebevoll, einfühlsam, gefühlvoll, unterwürfig.(5) Verhaltens- und Gendereigenschaften, die mit einem bestimmten körperlichen Geschlecht einhergehen, nennt man in der Fachsprache "geschlechtstypische Eigenschaften". Gibt es viele geschlechtstypische Eigenschaften, bedeutet dies, dass ein bestimmtes körperliches Geschlecht mit einem bestimmten sozialen Geschlecht verbunden ist: Es "sind geschlechtstypische Unterschiede statistisch-deskriptiver Natur"(6), die einen Durchschnittswert ("Mittelwertunterschiede")(7) beschreiben, so dass ein Individuum der einen Gruppe durchaus dem Durchschnittswert der anderen Gruppe näher sein kann. Die traditionell-konservative Sicht behauptet natürlich, dass alle Eigenschaften, die das Genderbild "Männlichkeit" umfasst, geschlechtstypische Eigenschaften sind, also mit jeweils einem bestimmten körperlichen Geschlecht verbunden sind, und sie bildet so die oben genannten Stereotypen heraus.

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3. Wenige statistisch-signifikante geschlechtstypische Eigenschaften

Der erste OECD-Bildungsbericht (8) aus dem Jahr 2015 im Blick auf das schulische Leistungsprofil von Jungs und Mädchen weltweit scheint das konservative Vorurteil zunächst zu bestätigen: "Auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse des PISA-Tests die Geschlechter-Präferenzen zu bestätigen: In vielen Teilnehmerländern schneiden Jungen bei den mathematischen Aufgaben besser ab, während die Mädchen ihre Altersgenossen beim Lesen in allen Ländern hinter sich lassen." (9) - "Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass Mädchen in besonders leistungsstarken Volkswirtschaften in Mathematik mit den Jungen gleichauf sind ... Die Geschlechterdifferenzen begründen sich also nicht durch angeborenes (Un)Vermögen, sondern vielmehr durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie, der Schule".(10) Korrelieren bestimmte (Gender-)Verhaltensweisen mit einem bestimmten körperlichen Geschlecht, so ist dies nicht angeboren, sondern durch die Gesellschaft und das sonstige soziale Umfeld geprägt oder sogar anerzogen worden: "Gerade die Eltern tragen nach Erkenntnissen des Berichts oft bewusst oder unbewusst dazu bei, dass das Interesse für Mathe und Naturwissenschaften bei den Geschlechtern so unterschiedlich ausgeprägt ist".(11) - "Wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Unterschiede in der Bildung von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen enorm verringert. ... Die gute Nachricht ist, dass wir dazu weder langwierige noch teure Bildungsreformen brauchen es reicht, wenn Eltern, Lehrer und Arbeitgeber an einem Strang ziehen." (12)

Allerdings dürften nicht alle, sondern nur sehr viele der geschlechtstypischen Eigenschaften vom biologischen Geschlecht unabhängig sein: "Die seinerzeit mit großem Enthusiasmus aufgenommenen Berichte von Magaret Mead (1979) über die angeblich totale kulturelle Relativität der Geschlechterrollen gelten inzwischen als widerlegt"(13). So gibt es in der Tat einige wenige Eigenschaften, die auch wissenschaftlich-empirisch signifikant mit dem biologischen Geschlecht korrelieren, so dass in kleinen Verhaltenssegmenten (14) eine Zuordnung von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" zum körperlichen, biologischen Geschlecht berechtigt ist.

Wissenschaftlich begründet können dann solche Aussagen getroffen werden, wenn die Eigenschaftskorrelation sich "zu verschiedenen Zeiten, in Kulturen und Ethnien unterschiedlicher Entwicklungshöhe und mit verschiedenen kulturellen Regelungen für den Umgang der Geschlechter"(15) findet; wenn es sich "findet (...) bei anderen Säugetierarten, (...) und/oder (...) dort durch definierte biologische Variationen (...) veränderbar"(16) ist; und wenn (z.B. die Unterproduktion weiblicher Hormone bei Mädchen mit AGS-Syndrom) "beim Menschen biologische Veränderungen (...) mit einer Veränderung"(17) der geschlechtstypischen Eigenschaften einhergehen.

In wenigen Fällen gibt es solche wissenschaftlichen Beweise vorgeburtlicher, "biologischer Prädispositionen (...) einiger (...) geschlechtstypischer Unterschiede, der spatial abilities, des aggressiven und des prosozialen Verhaltens"(18):
(a) Die größeren räumlichen Fähigkeiten (spatial abilities) der Männer tragen für unser Thema nichts aus.
(b) "Männer zeigen durchschnittlich mehr unprovoziertes (!) fremdverletzendes Verhalten als Frauen"(19). Dieses Ergebnis allerdings "kommt vor allem dadurch zustande, dass wesentlich mehr Männer als Frauen im Bereich hoher Aggressionswerte vertreten sind."(20)
(c) Es "weisen Frauen durchschnittlich ein stärker gruppenzentriertes und demokratisches (...) Verhalten auf (...) sind stärker auf soziale Interaktion, die dem Wohlbefinden anderer (zumal ihrer und anderer Kinder) dienen, orientiert".(21)
Es gibt also bei einigen wenigen Eigenschaften sehr wahrscheinlich eine biologische, natürlich vorgegebene Ursache, von der her allerdings "kein unilinearer Zusammenhang"(22) zur Ausprägung der jeweiligen Eigenschaft festgestellt werden kann. Diese biologischen "Prädispositionen sind ein Möglichkeitsfeld."(23) Es "bedürfen diese Prädispositionen aber auch ermöglichender Faktoren in der Umwelt des Kindes. Beides sind einander nicht ausschließende, sondern vielmehr notwendig ergänzende, ja, bedingende, Mechanismen."(24) Das bedeutet: Bei "der Entwicklung der Geschlechtsidentität handelt es sich um einen durch interagierende biologische, innerpsychische und soziokulturelle Faktoren bestimmten Entwicklungsprozess"(25).

Zeichnet man bei diesen Unterschieden (z.B. das räumliche Schätzen von Entfernungen) die Gaußsche Normalverteilungskurve für Männer und Frauen, so sind die Kurven nicht identisch, sondern verschoben, allerdings mit einem großen Überlappungsbereich beider Geschlechter. "Die Überlappungen sind so groß, dass es kaum gerechtfertigt ist, von typisch männlichen oder weiblichen Eigenschaften zu sprechen. ... Immer sind die Varianzen innerhalb eines Geschlechts sehr viel größer als die durchschnittlichen Differenzen"(26) (zwischen den Geschlechtern).

Dazu passen neueste Erkenntnisse aus dem Jahre 2015, die ein Forscherteam (darunter auch Daniel Margulies vom Max-Planck-Institut aus Leipzig) um die israelische Wissenschaftlerin Daphna Joel fanden, nämlich "dass Gehirne nicht in zwei Klassen fallen, die typisch für Männer oder Frauen sind. ... Vielmehr sei jedes Hirn 'ein einzigartiges Mosaik' aus vielen Bausteinen, von denen ein Teil statistisch häufiger bei Männern vorkommt, zum Teil häufiger bei Frauen oder auch gleich häufig bei beiden Geschlechtern."(27) Im Original: "we should shift from thinking of brains as falling into two classes, one typical of males and the other typical of females, to appreciating the variability of the human brain mosaic. Scientifically, this paradigm shift entails replacing the currently dominant practice of looking for and listing sex/gender differences with analysis methods that take into account the huge variability in the human brain (rather than treat it as noise), as well as individual differences in the specific composition of the brain mosaic. At the social level, adopting a view that acknowledges human variability and diversity has important implications for social debates on long-standing issues such as the desirability of single-sex education and the meaning of sex/gender as a social category."(28)

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4. Abweichungen von den geschlechtstypischen Eigenschaften bei Queers - Queers als Vorkämpfer einer Befreiung von Männlichkeits- und Geschlechterstereotypen

Interessanterweise zeigen mehrere (29) "Untersuchungen (...), dass Männer und Frauen mit homosexueller Orientierung (auch im Rahmen eines Transsexualismus) in der Kindheit (...) sich in den Bereichen "Aggression" bzw. "prosoziales Verhalten" (...) geschlechts-atypisch verhielten."(30)

So wurden in einer 1991 durchgeführten Studie bei transsexuellen GID- ("Gender Identity Disorder") Jugendlichen 17 Verhaltensweisen untersucht, die der Aggression ähnlich sind und mit der Bezeichnung "Activity Level/Extraversion"(31) zusammengefasst werden: "The boys with gender identity disorder had a lower score than that of the control boys, whereas the girls with gender identity disorder had a higher score than that of the control girls. Moreover, the score of the girls with gender identity disorder was higher than that of the boys with gender identity disorder, whereas for the controls the score of the boys was higher than that of the girls."(32) Zum einen zeigen aber die Gender-Abweichungen bei queeren GID-Leuten, dass selbst die wenigen nachgewiesenen geschlechtstypischen (Kapitel 3) Eigenschaften, also die Koppelung des Gender, des sozialen Geschlechts, an das biologische Geschlecht, auch nur Durchschnittswerte sind, von denen Menschen so abweichen können, dass sie dem Gender-Durchschnitts-Typus des anderen biologischen Geschlechts näher stehen. So belegt es Zitat 25, das aussagt, dass (GID-)Trans-Männner, die mit einem weiblichen Körper geboren wurden, z.B. dem durchschnittlichen Verhalten von Menschen mit einem männlichen Körper näher stehen als Trans-Frauen, obwohl diese mit dem gleichen männlichen Körper geboren wurden. Natürlich kann diese empirische Beobachtung auch so gedeutet werden, dass bei Transsexuellen eben der Geburtskörper krankhaft ist und das umgewandelte körperliche Geschlecht ihr eigentliches ist, wobei dann ihr Verhalten dem Durchschnittswert der Menschen dieses körperlichen Geschlechts nahe kommt und damit dieses bestätigt.

Stattdessen ist es aber so, dass die Existenz von Transsexuellen in doppelter Weise das restriktive Vorurteil destruiert, dass das Geschlecht eines Menschen in Körper und Verhaltenseigenschaften letztlich nur zwei vorgegebene Optionen zulässt (Körper mit männlichen/weiblichen Geschlechtsorganen und die dazugehörigen Verhaltensstereotype). Zum einen zeigt es, dass das körperliche Geschlecht nicht automatisch durch die Geburt vorgegeben ist, zum anderen zeigt es, dass man aus dem Geburtskörper kaum auf typische Verhaltensweisen schließen kann.

Passend dazu fand man in München an verschiedenen Plakatwänden und -säulen im April 2016 ein Werbeplakat des Tierparks Hellabrunn mit einem Clownfisch und dem Text: " 'Nemo? ist inzwischen eine Frau!' Clownfische werden als Männchen geboren und können während ihres Lebens auch zu Weibchen werden. Komm und entdecke weitere überraschende Fakten in Hellabrunn. - Die Vielfalt des Lebens erwartet Dich."

Schon in Kapitel 3 (besonders Anmerkung 18) wurde gezeigt, dass nur sehr eingeschränkt ein biologischer Grund für die wenigen (nachgewiesenen) geschlechtstypischen Eigenschaften festgestellt werden kann. Das trifft auch auf die transsexuellen GID-Menschen zu: "Regarding children with gender identity disorder, we have adduced evidence for (...) differences in the areas of (...) temperament (activity level and rough-and tumble play) (). In all instances, the underlying biological influences (if there any at all) remain unclear"(33).

Dagegen wurde in den letzten Jahren deutlich festgestellt, dass die Einstellung zum Sexus, zum Geburtskörper (hirn-)biologisch begründet ist.
Zum Beispiel zeigen Beobachtungen an genetisch-chromosomal eindeutigen Jungen, die z.B. nach frühkindlichem Penisverlust in der Genderrolle eines Mädchens aufgezogen wurden, dass sie trotzdem ein männliches Genderbewusstsein entwickelten.(34)
Zwar ist die Einstellung zum Real- oder Geburtskörper (hirn-)biologisch begründet, aber nicht nur im Sinne einer zustimmenden Einstellung, sondern auch die - z.B. transsexuelle - Ablehnung. Der Geburtskörper gibt also fast keine Eigenschaften vor, noch nicht einmal die Annahme dieses Körpers selbst.
Eine im Jahr 1995 veröffentlichte Untersuchung des neurowissenschaftlichen Institutes in Amsterdam hat nachgewiesen, dass ein bestimmtes Hirnorgan, genannt "bed nucleus der stria terminalis" (BSTc), bei Menschen, die ein positives Verhältnis zu ihrem männlichem Geburtskörper (Sexus) haben, größer ist als bei Menschen, die ein positives Verhältnis zu ihrem weiblichen Geburtskörper haben. Transfrauen, die mit einem männlichen Körper geboren wurden, haben ebenso ein kleineres Organ. Die Größe des BSTc bestimmt also den gewünschten Sexus, die körperliche Geschlechtsidentität: "the volume of the central subdivision of the bed nucleus of the stria terminalis (BSTc), a brain area that is essential for sexual behaviour, is larger in men than in women. A female-sized BSTc was found in male-to-female transsexuals." (35) Es stellte sich sogar heraus: "the mean BSTc volume in the transsexuals was even smaller than that in the female group, the difference did not reach statistical significance"(36). "The size of the BSTc was not influenced by sex hormones"(37). Umgekehrt ist bei Transfrauen (englisch: MTF) "das Volumen von anderen Gehirnarealen ... insbesondere im rechten Putamen ... statistisch signifikant größer als bei Männern und 'feminisiert' (bei Frauen ist diese Hirnregion größer ...). ... Einige Studien ... scheinen Hinweise auf eine zumindest teilweise genetische Basis für Transsexualität erbracht zu haben."(38)

Diese Erkenntnisse zeigen, dass man die Einstellung zum Sexus, Geschlechtskörper nicht anerziehen und konditionieren kann, anders als z.B. John William Money noch vor einigen Jahrzehnten behauptete. Das ist wichtig für den Umgang mit Intersexuellen nach der Geburt, die mit einem männlich-weiblichen Sexus zur Welt kommen, also beide körperliche Geschlechtsmerkmale haben. Eine Operation zu einem bestimmten Sexus übergeht die biologisch vorgegebene Sexus-Neigung dieses Menschen, wodurch vollkommen grundlos eine große Lebenskrise ausgelöst werden kann. Deshalb wurde in Deutschland im November 2013 das Personenstandsgesetz dahingehend geändert, dass ein intersexuelles Kind nicht die Organe eines Geschlechtes durch eine Operation verlieren muss, sondern mit einem unversehrten Körper ohne Angabe des Geschlechtes in das Geburtsregister eingetragen wird.(39) Ein intersexueller Mensch muss später seine vorgegebene körperliche Ausrichtung erkennen und dann gegebenenfalls eine Operation durchführen lassen oder eben sich mit diesem intersexuellen Körper vollkommen indentifizieren. "Research suggests, for example, that perhaps to a greater extent than many have expected, intersexed person's gender identity may be genetically caused"(40). "These cases seem to suggest that .. sexual identity is, at least in part, a product of biology, and may not be easily overriden by adherence to a sex of rearing"(41) "we can see nowadays a sort of 'tilt' towards a biologic, essentialist model of psychosexual differentiation in general and gender identity in particular."(42) - Jedenfalls ist im Jahr 2015 das Ergebnis intensiver Forschungsjahre: "Offensichtlich lassen sich die Geschlechter doch nicht immer so einfach binär in XX=Frau und XY=Mann unterteilen."(43)

Darüberhinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer queerer sexueller Orientierungen, z.B.: "Ich lebe jetzt seit einem Jahr offen als Agender oder genderlose Person. Für mich bedeutet dies die Freiheit, als Mensch zu existieren, ohne mich von den Beschränkungen der Geschlechterzweiteilung einengen zu lassen. Ich ziehe an, was ich will ... Wenn sie mich sehen, wissen Leute oft nicht, was sie von mir halten sollen, wie sie mich einordnen sollen. Für sie passen die Rundungen meiner Hüften nicht mit dem Bartwuchs zusammen. Meine Existenz bringt Menschen dazu, alles infrage zu stellen, was man ihnen über Gender beigebracht hat."(44)

Queers, Schwule und Lesben haben allein durch ihre Existenz durch all die Jahrhunderte an diesen Stereotypen gerüttelt und haben damit gezeigt, dass die Behauptung durchgängig existierender geschlechtstypischer Eigenschaften verlogen ist, nicht ehrlich und oft auf Rollenzwang und Unterdrückung beruht. Auch in früheren Zeiten schwerer Verfolgung haben zumindest einige Queers sich nicht von den festgefügten zwanghaften Vorstellungen von "männlich" und "weiblich" fesseln, verbiegen und entfremden lassen. Zum Beispiel legten einige Schwule als Männer, vor allem in der Rolle des tuntigen, femininen Schwulen, ein sanftes, weiches Gender-Verhalten an den Tag, während einige Lesben als Frauen, vor allem in der Rolle der Butch, ein hartes, starres, kämpferisches, extrovertiertes Gender-Verhalten zeigten. Diese für die Verhaltenseigenschaften des einzelnen Menschen befreiende Sichtweise, die die Gendertheorie vertritt, wurde nun von Papst Benedikt XVI. in einer Weihnachtsansprache 2008 kritisiert: "Was in dem Begriff "Gender" vielfach gesagt und gemeint wird, läuft letztlich auf eine Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus."(45) In der Gendertheorie geht es um diese Selbstemanzipation des Menschen, aber nicht um eine Emanzipation weg von Gott, dem Schöpfer, sondern hin zum Schöpfungswerk Gottes, in dem wir Menschen mit so unterschiedlichen, vielfältigen Eigenschaften von Gott geschaffen wurden. Bei welchem Fest wird es deutlicher als zu Weihnachten, dass Gott Mensch wird und den empirischen Menschen annimmt. Somit ist seine Selbstemanzipation christlich und gibt dem menschgewordenen Gott die Ehre. Da diese Vielfalt des Genderverhaltens empirisch-wissenschaftlich dargelegt wurde, erweist sich die päpstliche Auffassung ein weiteres Mal als weltabgewandte Ideologie, die mit der Kritik an der Selbstemanzipation nichts anderes als den Kampf des Menschen gegen seine empirische Natur fordert und damit - seelsorgerlich gesprochen - seelische Selbstaggression und Selbstzerstörung.

Aber es sprechen nicht nur wissenschaftlich-empirische Argumente gegen Papst Benedikt XVI. Bei Jesus selbst und im biblischen Zeugnis finden wir dieses Aufbrechen geschlechtstypischer Eigenschaften.
Die Schilderung von Jakob und Esau beschreibt 2 Menschen mit männlichem Körper und doch mit so unterschiedlichem Gender, mit so unterschiedlichen geschlechtstypischen Eigenschaften, die in konservativer Sprache als "weiblich" und "männlich" bezeichnet würden: "Esau war ein Mann geworden, der sich auf die Jagd verstand, ein Mann des freien Feldes. Jakob dagegen war ein untadeliger Mann und blieb bei den Zelten." (Genesis/1.Mose 25,27) - "Esau ... aß gern Wildbret." (Gen 25,28) - "Darauf gab Jakob dem Esau Brot und Linsengemüse." (Gen 25,34) - "Mein Bruder Esau ist aber behaart, und ich habe eine glatte Haut." (Gen 27,11). - "Esau represents heteronormative masculinity ... Jacob ... in tents, Genesis is questionning his masculinity - Jacob is effeminate - perhaps also his sexuality. .. Rebecca ... loves her femmy son ... so that the straight butch, born to rule, is displaced by and must therefore defer to, the swishy, delicate, pretty boy."(46)
Ebenso bricht Jesus in Mk 3,31-35 mit dem für den ältesten Sohn vorgesehenen Stereotyp: "Jesus hat mit seinem Familienverband gebrochen, obwohl er nach herrschender Sitte als Ältester von acht Geschwistern nach dem Tode des Vaters für seine Familie hätte sorgen müssen."(47) In "seinem Leben liegt etwas wie Dynamit, das soziale Schranken und Geschlechtertrennung einmal aufheben kann."(48) In Lk 10,39-42 sehen wir: Wie "selbstverständlich durchbrechen (...) Frauen die herrschende Sitte, indem sie sich wie Schüler aufführen."(49)
Auch ein Satz des Paulus geht in diese Richtung: "Es gibt nicht mehr (...) Mann und Frau; denn ihr seid alle "einer" in Christus Jesus." (Gal 3,28) In 1 Kor 12,12-27 wird die mannigfaltige Pluralität als Ausdruck der Schöpfungsvielfalt (Vers 24) genannt. Schließlich finden wir in einer jüngeren biblischen Schicht ebenfalls ein Durchbrechen der Geschlechterstereotypen: Es gab eine "eigenständige Frauentradition in den kleinasiatischen johanneischen Gemeinden"(50), was sich z.B. in Joh 4,27 zeigt; ebenso auch in Joh 13,1-17: "Auch die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern ausübt - eigentlich ein Intim-Dienst der Frau an ihrem Mann, von dem nur Johannes erzählt - scheint Symbolhandlung für die neue Ordnung zu sein: der Meister übernimmt die dienende Rolle der Frau."(51) Queers, die schon lange Vorkämpfer einer Sicht des Menschen und seiner Verhaltensweisen sind, nach der der Mensch unabhängig von seinem biologischen Geschlecht beurteilt wird, können sich zwar nicht auf den Papst, aber auf Jesus Christus berufen.

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5. Die Unabhängigkeit des sozialen (gender) vom körperlichen Geschlecht - Dekonstruktion von Männlichkeits-Stereotypen

Die wenigen wissenschaftlich erwiesenen geschlechtstypischen Eigenschaften, die durch die abweichenden Eigenschaften von Queers noch einmal in ihrer Aussagekraft eingeschränkt werden, können also in keiner Weise den beobachteten "Lesben-Film-Boykott" erklären, in dem Sinne, dass Männer ihre Persönlichkeits- und Lebensart nur in Männer- (Schwulen-)Filmen wiederfinden würden (was wegen der abweichenden Eigenschaften ja noch viel weniger für queere Männer gelten würde). So ein Verhalten lässt sich viel schlüssiger erklären und destruieren aufgrund eines Selbstbildes, das eben in Restbeständen auch bei Schwulen (und Lesben) auf einer Identität, starren Genderfixierungen und Rollenbildern beruht, die an das körperliche Geschlecht gekoppelt und damit gar nicht queer sind. Das Gegenteil aber hat sich als wissenschaftlich wahr erwiesen: In Kapitel 3 zeigte sich: "Im Bereich des Denkens, Fühlens und Verhaltens haben umfangreiche Untersuchungen der letzten dreißig Jahre indes nur recht wenige geschlechtsspezifische Gruppenunterschiede gefunden."(52) Es "lassen sich in einer großen Breite psychologischer Merkmale, die individuell an männlichen und weiblichen Personen erhoben werden, nur geringe oder gar keine konsistenten Geschlechterunterschiede nachweisen. Und auch wenn konsistente Geschlechterunterschiede gefunden werden, wie im aggressiven und hilfreichen Handeln, klären sie nicht mehr als 10% der Varianz auf."(53) Letztere Analyse bezieht sich zum Beispiel darauf, dass der höhere Aggressionswert gar nicht allgemein typisch für die Mehrheit der Männer ist, sondern dass der höhere Durchschnitt nur durch eine kleine Zahl von Männern zustande kommt, die im höchsten Aggressionsbereich bei weitem die Zahl der Frauen überwiegen(54). Fast alle der aufgezählten Eigenschaften, die traditionell einem bestimmten körperlichen Geschlecht zugeschrieben werden(55), erwiesen sich als Klischees und Stereotypen, die nicht der empirischen Wirklichkeit entsprechen. Insofern können wir - mit Ausnahme der wenigen geschlechtstypischen Eigenschaften - gut begründet sagen:
Die Gruppe der Männer (Menschen mit einem männlich-geschlechtsspezifischen körperlichen Geschlecht) und dementsprechend als Teilmenge davon die Gruppe der Schwulen hat nur wenige gemeinsame Merkmale, die sie signifikant von den Frauen (Menschen mit einem weiblich-geschlechtsspezifischen körperlichen Geschlecht) unterscheiden.

6. Rekonstruktion von rational begründbaren, praxistauglichen Eigenschaftsgruppen

In einer vollständig emanzipierten Gesellschaft würde man die Menschen - wegen der geringen Zahl der geschlechtstypischen Eigenschaften - noch viel stärker als heute nach anderen Eigenschaften einteilen, die für den Alltag wichtiger sind. Solche Gruppeneinteilungen von Menschen ähnlicher Eigenschaften können dann durchaus auch einmal den klassischen Vorstellungen von "männlich" oder "weiblich" entsprechen, sind aber nicht an das körperliche Geschlecht (Sexus) gebunden, sondern können sich prinzipiell bei jedem Menschen finden. Deshalb wäre der Gebrauch der Worte "männlich"/"weiblich" nicht mehr sinnvoll, denn sie sollten weiterhin für das körperliche Geschlecht verwendet werden.

Somit ist auch das wichtigste Argument gegen die gleichberechtigte Adoption durch schwule oder lesbische Paare hinfällig. Die Gegner befürchten, dass Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern nicht die optimale Fülle der menschlichen Eigenschaftspalette mitbekommen (ähnlich wie bei Alleinerziehenden). So lehnte der CDU-Politiker Volker Kauder noch im Jahr 2013 die Adoption durch queere Paare mit folgenden Worten ab: "Ich glaube, es ist für das Kind am besten, wenn das väterliche und mütterliche Prinzip vorhanden ist" (56). Der Voraussetzung seiner Aussage ist voll zuzustimmen. Nur stimmt die Folgerung nicht. Es ist eben nicht so, dass die Fülle der menschlichen Eigenschaftspalette auf Menschen mit weiblichem und männlichem Körper ausschließlich-kontradiktorisch aufgeteilt ist und nur durch ein heterosexuelles Par repräsentiert wird. Die Unterschiedlichkeit des Gender-Verhaltens, die Kauder hier mit "weiblich" und "männlich" beschreibt, findet sich insgesamt bei Männern und Frauen und kann auch durch 2 Frauen oder 2 Männer mit unterschiedlichen Gender-Typen abgedeckt werden.

Sexus-unabhängige Persönlichkeitsgruppen dagegen würden auch einer rationalen Prüfung standhalten. Gruppen von Menschen mit gleicher Eigenschaft würden dann nicht durch das biologische Geschlecht konstituiert, sondern z.B. durch dieselbe Lebenssituation. So könnten Queers z.B. an folgenden Realitäten und Eigenschaften ihre spezifische Identität herausbilden: Queerspezifische Gestaltungsformen von Sex und Beziehung (z.B. vielleicht: größere Betonung des Körpers und des Sexes in einer Beziehung als Chance und Einseitigkeit(57)); Angezogensein durch einen Körper, der (wegen des gleichen Sexus) dem eigenen ähnelt; Lebensgestaltung in Freiheit und Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbilder.

7. Zusammenfassung und Ausblick

Die reine Existenz von Schwulen und Lesben, die besonders stark das Vorurteil widerlegen, dass viele geschlechtstypische Eigenschaften existieren, noch viel stärker aber die Emanzipationsbemühungen - auch der Schwulen- und Lesbenbewegung der letzten Jahrzehnte - haben diese sexus-fixierte Einteilung der Menschen schon teilweise aufgelöst, aber eben erst teilweise, wie am "Lesben-Film-Boykott" zu sehen war. Damit diese befreiende Auflösung der sexus-fixierten Eigenschaftszuweisungen weiter voranschreitet, plädiere ich auch dafür, die "Werkstatt für schwule Theologie" in "Werkstatt für queere Theologie" umzubenennen, da ich meine, dass es relativ wenige männer-/schwulen- und frauen-, und lesbenspezifische Themen gibt, demgegenüber aber sehr viel gemeinsame Themen durch die Probleme und Diskriminierung als sexuelle Minderheit, die eine verbindende Eigenschaft aller Queers ist. Entsprechend sehe ich auch mehr Gemeinsamkeiten zwischen einem Schwulen und einer Lesbe als zwischen einem Schwulen und einem heterosexuellen Mann. Und in diesem Sinne will ich auch durch die Dekonstruktion einer irrational-patriarchalischen, zwanghaft-festlegenden Männlichkeitsidentität dafür werben, dass sich beim nächsten Filmfestival mehr Schwule einen Lesbenfilm und mehr Lesben einen Schwulenfilm anschauen.

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Anmerkungen

1) Übrigens habe ich mich vor dem Film mit meinen lesbischen Nachbarinnen zur rechten und zur linken sehr nett unterhalten.

2) Bosinski, Hartmut A.G.: Geschlechtlichkeit und Sexualität unter dem Aspekt der Biopsychosozialität des Menschen. Ein Versuch. In: Wessel, Karl-Friedrich/Bosinski, Hartmut A.G (Hgg.): Interdisziplinäre Aspekte der Geschlechterverhältnisse in einer sich wandelnden Zeit, Bielefeld 1992, 121-142, 126.

3) Bei den Lebewesen allgemein sind natürlich die Art von Geschlechtsorganen, die für den Menschen oder allgemeiner die Säugetiere typisch sind, eine Ausnahme. Das biologische, für alle Lebewesen gültige und deshalb sehr allgemeine geschlechtliche Unterscheidungskritierium wird "über die Gameten (Geschlechtszellen) definiert. Weibchen und diejenigen Organismen, die wenige, unbewegliche und große Gameten produzieren, während Männchen eine relativ große Anzahl kleiner, beweglicher Gameten produzieren." (Ebeling, Smilla: Das Sexualverhalten von Tieren als Legitimationsbasis menschlicher Sexualität. In: Dies./Weiß, Volker (Hgg.): Von Geburt an homosexuell? Biologische Theorien über Schwule und Lesben, Göttingen 2004, 70-80, 72).

4) Alfermann, Dorothee: Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten, Stuttgart/Berlin/Köln 1996, 14.

5) Alfermann, 16f.

6) Bosinski: Geschlechtlichkeit, 127.

7) Ebd., 128.

8) OECD: The ABC of Gender Equality in Education: Aptitude, Behaviour, Confidence, PISA, OECD Publishing, Paris 2015 (als Website)

9) OECD Bildungsbericht: Geprägte Verhaltensmuster begründen unterschiedliche Leistungen von Jungen und Mädchen, 2015 (als Website)

10) a.a.O.

11) a.a.O.

12) a.a.O.

13) Bosinski, Hartmut A.G.: Determinanten der Geschlechtsidentität. Neue Befunde zu einem alten Streit. In: Sexuologie. Zeitschrift für sexualmedizinische Fortbildung und Forschung, 7 (2000), Heft 1, 96-140, 115. 15) Bosinski: Determinanten, 117.

16) Ebd., 116.

17) Ebd., 119.

18) Ebd., 129.

19) Ebd., 109.

20) Ebd., 109.

21) Ebd., 109.

22) Ebd., 130.

23) Bosinski: Geschlechtlichkeit, 135.

24) Ebd., 135.

25) Bosinski: Determinanten, 132.

26) Weber, Christian: Krampfzone, SZ (Süddeutsche Zeitung) vom 16./17.4.2016, S.37 (Wissen)

27) Weber, Christian: Mosaik im Kopf. Gehirne von Männern und Frauen unterscheiden sich nur wenig, SZ vom 1.12.2015, S.16 (Wissen)

28) Joel, Daphna, u.a.: Sex beyond the genitalia: The human brain mosaic, PNAS Vol 112, No 50 (Dec 2015) (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) , S. 15468-15473, S.15472

29) Zucker, Kenneth J./Bradley, Susan J.: Gender Identity Disorder and Psychosexual Problems in Children and Adolescents, New York, London 1995, 189-198.

30) Bosinski: Determinanten, 120.

31) Zucker/Bradley, 190.

32) Ebd., 191.

33) Ebd.,197.

34) Bosinski: Determinanten, 125-127.

35) Zhou,Jiang-Ning, Hofmann,Michel A., Gooren,Louis J.G., Swaab,Dick F.:A sex difference in the human brain and its relation to tanssexuality, in: nature. International Weekly Journal of Science, Vol. 378 (November 1995), 68-70 (=Zhou), 68;
siehe auch die deutsche Übersetzung des Artikels: http://www.transfamily.de/htm/definition/hirn.htm

36) Zhou, 69

37) Zhou, 70

38) Meyer, Axel: Adams Apfel und Evas Erbe, München 2015 (=Meyer), S.348f

39) "Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen." Personenstandsgesetz ( 22 Abs 3 PStG)

40) Howe, Edmund G.: Advances in Treating (Or Not Treating) Intersexed Persons: Understanding Resistance to Change, in: Sytsma, Sharon E.: Ethics and Intersex, Dordrecht 2006, 115-137, 133

41) Kemp, Stephen F.: The Role of Genes and Hormones in Sexual Differentiation, in: Sytsma, Sharon E.: Ethics and Intersex, Dordrecht 2006, 1-16, 11

42) Zucker, Kenneth J.: Gender Identity and Intersexuality, in: Sytsma, Sharon E.: Ethics and Intersex, Dordrecht 2006, 165- 181, 178

43) Meyer, S.170

44) Ford, Tyler: Irgendwo dazwischen, der Freitag. Das Meinungsmedium, 22.10.2015, S.11

45)Benedikt XVI, Ansprache vom 02.01.2009 an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der römischen Kurie beim Weihnachtsempfang, Rom 2008, Ziffer 1.

46) Guest,Deryn/Goss,Robert E./West,Mona/Bohache,Thomas: The Queer Bible Commentary, London 2006, S.47

47) Moltmann-Wendel,E.: Freiheit - Gleichheit Schwesterlichkeit. Zur Emanzipation der Frau in Kirche und Gesellschaft, München 1977, 12.

48) Ebd.,13.

49) Ebd., 13.

50) Ebd., 27.

51) Ebd., 27.

52) Bosinski: Probleme, 11.

53) Alfermann, 8.

54) Vgl. oben Kapitel 3 b), Fußnote 15.

55) Vgl. die Aufzählung der Stereotypen in Kapitel 2 im 2 Absatz, in dem es um das soziale Geschlecht geht.

56) Spiegel 10/2013 vom 4.3.2013

57) Vgl. Scheel, Wolfgang: Was wäre die menschliche Seele ohne den schwulen Körper - Schwule Körperorientierung in der Dialektik von Leib Seele, in: WeSTh 13 (1/2007), 73-85.

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